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Themen vor Ort in der Sächsischen Schweiz

Eine Arbeitsgruppe sitzt an einem Tisch. Am Kopfende sitzt Staatsministerin Klepsch und redet, während sie gestikuliert. © SMS

Mit 245.418 Einwohnern insgesamt und 128 Einwohnern je Quadratkilometer ist der Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge einer der eher gering bevölkerten sächsischen Landkreise. Allerdings wird der prognostizierte Bevölkerungsrückgang hier bis 2030 mit knapp 2 Prozent verhältnismäßig gering ausfallen. Auch lagen bei der letzten Erhebung im Jahr 2015 die verfügbaren Plätze pro pflegebedürftiger Person in stationären Einrichtungen mit 0,35 über dem sachsenweiten Schnitt von 0,33. Trotz ländlicher Strukturen gab es also vergleichsweise gute Möglichkeiten zur stationären Versorgung Pflegebedürftiger.

Unter diesen Vorzeichen trafen sich am Donnerstag, den 28. März 2019 gut 50 Interessierte, um gemeinsam über die momentane Situation sowie die Zukunft der Pflege im Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge zu diskutieren. Das Publikum setzte sich zusammen aus Vertreter*innen von Trägerorganisationen von Pflegeeinrichtungen wie dem ASB oder dem DRK, Pflegefachkräften, Einrichtungsleitungen, Kassenvertreterinnen und Verwaltungsmitarbeitenden.

Begrüßt wurden sie zu Beginn der Veranstaltung von Barbara Klepsch, ihres Zeichens sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz und Schirmherrin der Veranstaltungsreihe „Pflegedialoge“. Frau Klepsch bedankte sich herzlich bei den Teilnehmenden für deren Engagement in der Pflege und ihre Bereitschaft, noch am Ende eines langen Arbeitstages im Rahmen des Pflegedialogs an der aktiven Gestaltung der Pflege in ihrem Landkreis mitzuwirken. Darüber hinaus erzählte Frau Klepsch von ihren Impressionen der vergangenen Dialogveranstaltungen in anderen Landkreisen und betonte, wie wertvoll es sei, mit den Akteuren vor Ort ins Gespräch zu kommen, um von guten Praxisbeispielen zu lernen und Bedarfe zu erkennen.

Nach der Begrüßung durch die Staatsministerin erhielt Frau Silke Maresch das Wort. Frau Maresch ist die Leiterin der Caritasberatungsdienste im Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge. In ihrem Vortrag stellte sie das Konzept der „Beratungsassistenz Alter und Pflege“ vor, eine von der Caritas neu geschaffene Stelle zur aufsuchenden Pflegeberatung. Die Notwendigkeit einer solchen Stelle machte Frau Maresch anhand zweier konkreter Fälle im Landkreis deutlich, in denen Menschen durch die herkömmlichen Beratungsangebote nicht mehr erreicht wurden. Entsprechend müssten neue „Geh“-Strukturen im Sinne der Beratungsassistenz ergänzt werden, um sozial isolierte Bedarfsfälle zu erreichen. Die Arbeit der Beratungsassistent*innen funktioniere dabei so, dass sie Menschen mit Pflege-, Beratungs- oder Begleitungsbedarf  im ländlichen Raum in deren Wohnungen aufsuchen und ihnen dort Hilfe leisten, wo sie sie am meisten benötigen – sei es beim Suchen, Ordnen und Ausfüllen wichtiger Dokumente, bei der Alltagsbegleitung oder einfach indem sie sich Zeit nehmen für ein ausgedehntes Gespräch mit vereinsamten Personen. Ziel der Beratungsassistenz sei die Verbesserung der Lebensbedingungen älterer sowie hilfs- und pflegebedürftiger Menschen im ländlichen Raum, die Schließung von Versorgungslücken bei Hilfebedürftigen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung sowie die Vorbeugung und Vermeidung von Verwahrlosung bei isolierten Menschen.

Hier geht es zur Website der Sozialen Beratung des Caritasverbandes Dresden

Nach dem Vortrag von Frau Maresch ging es in die fünf thematisch gegliederten Arbeitsgruppen, denen sich die Teilnehmenden ihrem Interesse entsprechend zuordnen konnten. Was dort im Einzelnen besprochen wurde können Sie in den nachfolgenden Absätzen lesen.

 

Soziales Miteinander & Vernetzung

Angeregt durch den Vortrag von Frau Maresch war sich die Gruppe hier zunächst schnell einig, dass die Einsamkeit im Alter – insbesondere auf dem Land - als gesamtgesellschaftliche Herausforderung verstanden werden müsse. In Bezug auf kommunale Ansprechpartner*innen, die sich des Themas annehmen könnten, wurden allerdings unklare oder gar keine definierten Zuständigkeiten im Landkreis kritisiert. Wenn es Ansprechpartner*innen gebe, seien diese zum Teil nicht sichtbar genug. Außerdem gebe es weiße Flecken in der Pflegeversorgung im Landkreis. Verschiedene Orte hätten eine unterschiedlich gute Versorgung. Die Träger seien Stand jetzt nicht in der Lage, alle Bedarfe zu decken.

Die Pflegekoordinatorin des Landkreises wurde als sehr große Unterstützung empfunden und fördere erfolgreich eine Verbesserung der Vernetzung von Ansprechpersonen vor Ort. Allerdings könne sie nicht alleine alle Missstände beheben. Als vielversprechende Unterstützungsleistung wurden mobile Beratungsstellen genannt, deren Einsatz und Wirkung als sehr positiv bewertet wurden. Diese hätten jedoch eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit und könnten nicht alle Gemeinden besuchen. Zudem seien sie primär projektfinanziert aus verschiedenen Fördertöpfen und damit befristet.

Des Weiteren wurde angemerkt, dass die Nutzungsmöglichkeit von Unterstützungsangeboten jenseits der Pflege verbessert werden müsse. Als konkretes Beispiel wurden hier Fahrdienste genannt, auf die finanziell eingeschränkte Personen nur einen eingeschränkten Zugriff hätten, da solche Unterstützungsangebote verhältnismäßig teuer seien.

Insgesamt gebe es zum Thema Pflege aber schon gute bestehende Praxisansätze auf kommunaler Ebene. Diese gelte es auszubauen. Dazu dürften Themen und Maßnahmen der Pflege und des Alters nicht weiter als freiwillige Leistung definiert werden, sondern als Pflichtaufgabe. Beispielsweise sollte der Einsatz kommunaler Seniorenbeauftragte verpflichtend sein. Außerdem müsse darauf geachtet werden, dass bei der Schaffung von Ämtern und der Zurverfügungstellung von Geldern trotz der notwendigen strukturellen Vorgaben von Seiten des Freistaats ausreichend Gestaltungsräume auf kleinräumiger Eben blieben, um auf spezielle Voraussetzungen und Herausforderungen reagieren zu können.

Konkrete Ideen:

  • Sichtbare Ansprechperson in jeder Gemeinde als Anlaufstelle für die Themen Pflege und Alter (idealerweise ein Gemeindemitarbeiter im Bereich Soziales)
    • Ausgestattet mit ausreichendem Zeitbudget und festem Büro vor Ort mit weitreichenderen Ressourcen als Seniorenbeauftragte. Deren Kernaufgaben müssten zum Einen in der Mittlerfunktion und Informationsweitergabe (z. B. für die Pflegekoordinatorin im Landkreis) bestehen, zum anderen in der Vernetzung von Pflegediensten, Vereinen, Pflegeberatern und der Informationsbündelung. 
  • Attraktive Gestaltung der kommunalen Anlaufstellen mit ausreichend personellen Ressourcen und Kompetenzen
  • Evtl. in Personalunion oder noch zusätzlich zum kommunalen Ansprechpartner: Die Rolle des niedrigschwelligen Kümmerers/ der Vertrauensperson müsse besetzt werden. Diese Vertrauensperson muss sichtbar und bekannt sein unter der Zielgruppe und im Netzwerk. Es brauche eine Art Gemeindeschwester/„Schwester Agnes“ als zentrale Person in den Gemeinden, die dann von weiteren Akteuren unterstützt werde. 
  • Erforderlich sei außerdem eine aufmerksame Nachbarschaft, z. B. durch Nachbarschaftshilfe. Auch hier könne eine Gemeindeschwester bei Schaffung des Bewusstseins für Unterstützungsbedarfe im Umfeld helfen.
  • Gutes Praxisbeispiel: in einigen Gemeinden bestünden Seniorennetzwerke zur gegenseitigen Unterstützung, finanziert über die Gemeinden
  • Neben „Kümmerern“ brauche es auch tatkräftige Unterstützer; die die konkreten Probleme vor Ort anpacken. Diese sollten ausgestattet sein mit einem ausreichend großen Zeitbudget. Dies sollten Fachkräfte sein - Ehrenamtliche kämen hier rasch an ihre fachlichen und zeitlichen Grenzen.
  • Ausbau und bessere finanzielle Unterstützung der aufsuchenden Angebote von Trägern, an der Schnittstelle zur allgemeinen Sozialberatung. Landkreise müssten die Gelder weiterreichen. 
  • Wichtig sei der Aspekt der aufsuchenden Hilfen / Geh-Strukturen.
  • Gutes Praxisbeispiel: Wohnortnahe Beratungen in den Kommunen im Landkreis Leipzig durch die Beratungsstelle des Kreissozialamts „Soziale Hilfen und Pflegekoordination“
  • Die Finanzierung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten müsse langfristig gesichert werden. Heute basierten sie häufig auf Projektfinanzierung, wodurch befristete Projektlaufzeiten und wenig Nachhaltigkeit bedingt seien.
  • Pflegeberatung der Kassen müsse (wie gesetzlich vorgesehen) immer im Rahmen eines persönlichen Gesprächs stattfinden – teilweise würde diese Regelung nicht eingehalten und die Beratung finde telefonisch statt. Dies müsse von den Kassen stärker überprüft werden. Beobachtete oder erlebte Verstöße können dem Verband der Ersatzkassen gemeldet werden.
  • Prinzipiell sei die Pflegeberatung der Kassen aber eine gute Sache und müsse vor Ort und bei der Zielgruppe bekannter gemacht werden.
  • Gutes Praxisbeispiel: Die Stadtverwaltung Pirna stelle an einschlägigen Stellen im Ort einen Pflegekoffer bereit, der eingesehen werden kann – diese Informationsmappe stellt gebündelt Hilfen (Ratgeber, Kontaktadressen, rechtlicher Rahmen etc.) bereit für Angehörige, die mit einem Pflegefall konfrontiert sind.
  • Gezielte Bewerbung und Bekanntmachung von Engagementmöglichkeiten im Ehrenamt, dafür Bereitstellung ausreichender Ressourcen (Orientierung an Wahlhelferkampagne) 

 

Wohnen und Öffentliche Infrastruktur

In diesem Workshop wurde zunächst die Frage nach der Verfügbarkeit und Gestaltung bezahlbaren, altersgerechten Wohnraums gestellt. Als gutes Beispiel wurde hier die Seniorenwohnanlage "Sonnenhof" mit Nachbarschaftsverein im Ort Heidenau genannt. Ein großer Vorteil für die Bewohner sei zum Beispiel die Möglichkeit, kombinierte Miet- und Serviceverträge abzuschließen, sowie die hausinterne Hausarzt- und Therapeutenvermittlung und die Pflegeberatung. Hier geht es zur Web-Präsenz des Sonnenhof.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass solche Wohneinrichtungen optimale Voraussetzungen für die Unterbringung im Alter böten und flächendeckender zur Verfügung stehen müssten. Allerdings gelte es dabei den Wirtschaftlichkeitsdruck für die Betreiber bzw. Wohnungsanbieter zu senken. So müsse beispielsweise die Seniorenwohnanlage in Heidenau immer zu 100 Prozent ausgelastet sein, um die Refinanzierung zu gewährleisten. Entsprechende kommunale Fördermöglichkeiten müssten hier entwickelt werden, um den Bau und das Betreiben solcher Anlagen attraktiver zu machen. Dafür müsse das Thema „Wohnen im Alter“ allerdings zunächst bei den relevanten Akteuren überhaupt erst bewusst gemacht werden. Bürgermeister und ihre Verwaltungen aber auch Wohnungsbaugenossenschaften seien dafür momentan oft noch nicht genügend sensibilisiert. Und das, obwohl das Thema zentral für das Wohl einer wachsenden Teilgruppe der kommunalen Gemeinschaft sei.

Neben der Verfügbarkeit (und Wirtschaftlichkeit) altersgerechten Wohnraums ging es außerdem um die Beschaffenheit der Infrastruktur im Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge. Die Mobilität eingeschränkter Bürger müsse beim Ausbau öffentlicher Wege immer mitgedacht werden. So seien momentan viele Fußwege noch nicht barrierefrei. Außerdem kam die Arbeitsgruppe auch auf das Thema der Vereinsamung zu sprechen. Ähnlich wie die Gruppe „Soziales Miteinander“ wurden verstärkt Ansprechpartner vor Ort gefordert im Sinne von „Sozialen Kümmerern“ und Vertrauenspersonen für ältere Menschen. Neben Hilfeleistungen sollten dadurch auch intergenerative Kontakte gefördert werden. Insgesamt betonte die Gruppe einstimmig, dass es zur Bearbeitung der besprochenen Themen insbesondere der Mitarbeit der Bürgermeister bedürfe. Sie seien die zentralen Personen in den Kommunen um die Themen auf die Agenda der Verwaltung zu setzen, die richtigen Personen anzusprechen und die Umsetzung konstruktiver Lösungen und Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Eine weitere Parallele zur Diskussion in der zuvor geschilderten Gruppe ergab sich in der Forderung nach einer stärkeren gesetzlichen Verankerung kommunaler Seniorenarbeit. Diese müsse verpflichtend festgeschrieben sein.

Im Laufe der Diskussion äußerten die Teilnehmenden folgende Ideen zur zukünftigen Bearbeitung und Weiterentwicklung der Themen „Wohnen“ und Öffentliche Infrastruktur“:

  • Dialog- und/oder Informationsveranstaltungen zum Thema Wohnen explizit für kommunale Verantwortungsträger (Bürgermeister, Stadträte etc.) um sie zu sensibilisieren und sie für das Thema und Lösungsansätze zu gewinnen (gerade im Bezug auf die Abbildung in den Haushalten)
    • Frage an die Teilnehmenden und gleichzeitig Motto der Veranstaltung: „Kann ich in zehn/zwanzig Jahren noch in meiner Gemeinde leben?“
  • Netzwerk aus Pflegekoordination, Wohnungsanbietern und Trägerorganisationen stärken und den Austausch verstetigen
  • Informationsangebote für Akteure schärfen. Nicht auf Informationsflut setzen, sondern kurze, prägnante Infos.
  • Vorhandene Sozialstationen in den Ortschaften stärker für Beratung nutzen.
  • Interessensgemeinschaften von älteren Menschen fördern und diese auch zur politischen Interessensvertretung motivieren

Forderungen an die Landespolitik:

  • Förderungen, an denen Personalstellen hängen, länger als 1-2 Jahre befristen (Personalgewinnung und Bindung sei sonst schwierig)
  • perspektivisch Seniorenarbeit als kommunale Pflichtaufgabe verankern bzw. Mittel dafür zur Verfügung stellen
  • bedarfsorientiert flexibel einsetzbare Finanztöpfe (z. B. Seniorenarbeit über Ehrenamtsbudget querfinanzieren)
  • Einführung einer Regelversorgung (Schlüssel für Seniorenversorgung)

 

Gesundheitliche Infrastruktur

Die Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Infrastruktur“ stellte zunächst fest, dass es im Landkreis bereits eine breite Angebotspalette gebe – von der 24h-Betreuung, die in der in der Sächsischen Schweiz oft durch polnische Pflegekräfte geleistet würde, über Kurzzeitpflege (von der es laut den Teilnehmenden allerdings zu wenig Plätze gebe) bis hin zur Tagespflege seien diverse Pflegeleistungen verfügbar. Die jeweiligen Anbieter würden auch bereits vereinzelt untereinander kooperieren – insbesondere in Bezug auf das Fallmanagement. Allerdings gelte es diese Kooperation noch auszubauen und zu intensivieren. Vielversprechend seien dabei auch technische Lösungen zur Koordination von Angebot und Nachfrage. Eine Mitarbeiterin der AOK berichtete, dass diese bereits erprobt würden – z.B. in Form eines Pflegeplatzmanagers. Auch die Pflegekoordinatorin wurde als wichtiger Faktor für die Vernetzung innerhalb der Anbieter im Landkreis benannt, indem sie Netzwerke in den Kommunen initiiere. Diese müssten sich dann jedoch im weiteren Verlauf selbst organisieren, da auch die Kapazitäten der Pflegekoordinatorin begrenzt seien.

Als Herausforderung wurde benannt, dass Betroffene sich oft erst im Akutfall über Pflege informierten. Hier müsse eine Sensibilisierung stattfinden, z.B. in Form einer groß angelegten Imagekampagne. Außerdem sei wie bereits angemerkt die Verfügbarkeit von Pflegeplätzen eher intransparent – daran änderten (bisher) auch die technischen Lösungsansätze nichts. Es müsse eine koordinierte Steuerung zwischen Ärzten, Kassen, Krankenhäusern, Sozialanbietern und Betroffenen etabliert werden. Darüber hinaus wurde das oft mangelhafte Entlassungsmanagement der Krankenhäuser angesprochen. So würden bei den Pflegeanbietern beispielsweise häufig nur Transporte angefragt, obwohl in den meisten Fällen noch deutlich mehr Pflegeleistungen bei den Patienten nötig wären. Hier brauche es mehr Ressourcen für den schonenden Übergang in die Häuslichkeit. Teil dieser Ressourcen seien selbstverständlich auch Pflegekräfte selber, die es zu gewinnen und vor allem auch in den Betrieben zu halten gelte. Optimierungsbedarf gebe es außerdem in der Aufklärung zur Verwendung des Pflegegelds, welches häufig nicht bedarfsgerecht investiert werde.

Neben den Herausforderungen in Bezug auf die gesundheitliche Infrastruktur im Landkreis benannte die Arbeitsgruppe auch einige konkrete Handlungsansätze, wie man diese angehen und bewältigen könne:

 

  • Es brauche einen Runden Tisch für Pflege in jeder Kommune  
  • Wer muss an diesem Tisch sitzen? Pflegeanbieter, Kassen, Hausärzte, Therapeuten, Sanitätshäuser, Anbieter von Pflegekursen (Als Schnittstelle zu Pflegenden Angehörigen, Nachbarschaftshelfern und Selbsthilfegruppen)
  • Wo findet der Runde Tisch statt? In jedem Landkreis
  • Wer koordiniert? Die Pflegekoordinatorin
  • Wer lädt ein? Der Bürgermeister
  • Welche Themen werden diskutiert?
  • Transparenz über Anbieter und Angebote vor Ort
    • Präventions- und Vorsorgeangebote
    • Wohnungsverbessernde Maßnahmen
    • Absteckung: Abrechnung über Pflegekassen: Welche Modelle gibt es?
    • Gute Praxis
  • Erstes Fazit: Vernetzung ist wichtig und gelang bereits auf dem Dialog: Unter den Teilnehmenden des Workshops wurden fleißig Visitenkarten ausgetauscht.
  • Bürgermeister als zentrale kommunale Entscheidungsträger müssen für Themen der Pflege sensibilisiert werden. Im Notfall könne Sensibilisierung auch über Druck erfolgen, indem Herausforderungen und zukünftige probleme ganz bewusst thematisiert werden:
  • Lücke zwischen Fachkräften und Bedarf deutlich machen → Bestmöglich über aufbereitete Statistiken und Daten der Pflegeanbieter! Prognosen für die nächsten Jahre stimmen wenig optimistisch
    • → Aktuell werden Daten durch Pflegekoordinatorin zu Betreuten durch Pflegedienste erhoben – allerdings auf nicht repräsentativer Basis
    • Stadträte und Landrat einbinden
    • WIN-Treffen der Bürgermeister nutzen, um Themen zu platzieren
  • Die Gruppe wollte den Pflegedialog nutzen, um auf die Bürgermeister zuzugehen.
  • Menschen auf das Thema Pflege aufmerksam machen, bevor Pflegebedarf auftritt:
  • Gutes Beispiel hierfür seien die Niederlande: Dort sensbilisiere man für Alter & für generationsübergreifenden Austausch z.B. dadurch, dass Studenten frei in Pflegeheimen leben können
    • Aufklärung und Thematisierung in Schulen
    • Messen: Angebote bekannt machen
  • Pflegebedürftige, alte Personen & pflegende Angehörige aktiv und über wirksame Kanäle ansprechen: 
  • Regelmäßige Anzeigen in Stadtanzeiger schalten
    • Seniorentelefon einrichten
    • Besteht schon: Ansprechpartner für Senioren (wird durch Pflegekoordinatorin initiiert)

 

Professionalisiertes Personal

In dieser Arbeitsgruppe wurde zunächst die generalistische Pflegeausbildung thematisiert, die ab 2020 bundesweit die bisherigen Ausbildungen der Alten-, Kinderkranken- und Krankenpflege verbinden und ersetzen wird. Hier müsse landkreisübergreifend sichergestellt werden, dass die reformierte Ausbildung unter guten Bedingungen starten könne – dazu gehöre zum Beispiel die angemessene Ausstattung der Schulen mit qualifizierten Lehrkräften und deren entsprechende Anleitung zu den neuen Ausbildungsinhalten.

Wichtig für die Entlastung professioneller Pfleger sei die verstärkte Ausbildung von Pflegekräfte-Helfern. Die Ausbildung sei allerdings schulgeldpflichtig und müsse angesichts des hohen Bedarfs dringend kostenfrei gestaltet werden. Im Rahmen dieser Diskussion stellte sich die Gruppe die grundsätzliche Frage, wie man ausbildungsfähige Jugendliche gewinnen könne mit einer Leidenschaft für den Beruf am Menschen. Wenn man solche jungen Menschen gewonnen habe müsse außerdem sowohl von Unternehmen als auch von der Politik Maßnahmen ergriffen werden (Ausbildungsförderung, Aufstiegschancen ermöglichen, betriebliches Gesundheitsmanagement) um diese auch in der Ausbildung und später im Beruf zu halten. Entsprechend müsse die Attraktivität des Berufs gesteigert werden. Dies hänge auch mit der Qualifizierung der Leitungskräfte in Pflegeeinrichtungen zusammen: Die Atmosphäre einer Einrichtung sei maßgeblich durch das Auftreten der Leitungskraft bedingt. Führungskräftecoachings in der Pflege könnten hier also eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen bewirken. Angemerkt wurde jedoch auch, dass der Versuch, die eigene Einrichtung attraktiver für potenzielle Angestellte zu machen, auch als „Wettbewerbsvorteil“ im Rahmen eines Konkurrenzkampfes zwischen den Einrichtungen missbraucht werden könne. Wenn man allerdings wie gefordert die Ausbildung und den Beruf attraktiver machen und so mehr neue Pflegekräfte gewinnen würde, könnte sich diese Konkurrenz von selber abschwächen.

Als gute Beispiele rund um die Pflegeausbildung wurde beispielsweise das Projekt „Schau rein“ benannt – eine sachsenweite Initiative, die Schülern eine Woche im Jahr die Möglichkeit gibt Unternehmen und deren Arbeit kennenzulernen - oder auch das berufsvorbereitende Jahr (BVJ) im Bereich Gesundheit.

Konkrete Ideen, die im Laufe der Diskussion geäußert wurden:

  • Praktische Ausbildungsbetriebe sollten untereinander Kooperationsvereinbarung treffen und/oder sich zu Verbund zusammenschließen, um die vielfältigen praktischen Ausbildungsbestandteile abdecken zu können. Unterstützungsbedarfe:
  • Benötigt wird koordinierende Person. Wer setzt den Hut auf?
    • Können Modelle zu Ausbildungsverbünden (z.B. Leipzig und Sächs. Schweiz) eine Startförderung vom Land erhalten?
  • Durch frühe und langfristige Partnerschaften mit Schulen und jungen Menschen im Umfeld der Pflegeeinrichtungen junge Menschen ansprechen: „Lieber zusammen ein Sommerfest feiern, bei dem man erlebt, dass hier Menschen mit Menschen arbeiten, als auf Berufsorientierung setzen“.
  • Frischeres Wording und positive Geschichten erzählen: Nur die Pflegekräfte selbst können ein positives Pflegebild weitergeben! Medien gewinnen, über gute Pflegegeschichten zu berichten und sie selbst auch weitergeben
  • Prüfen, ob man Auszubildende durch frühe Ansprache und Sondervereinbarung für einen mindestens zweijährigen Verbleib im Ausbildungsbetrieb halten kann
  • Angemessene Begleitung junger Leute während der Ausbildung: Mentoring durch erfahrene Pflegepraktiker oder gar durch PFK im Ruhestand – Ehrenamt dafür erschließen!

 

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