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Themen vor Ort in Dresden

Gesundheitsministerin Barbara Klepsch steht vor einem Ausstellungsstand und lässt sich von einem Herren etwas erklären. Hinter dem Stand steht ein Roll Up des Projektes "Care 4 future". © SMS

Nach neun Monaten Laufzeit, bis dato 12 Terminen mit rund 600 Teilnehmenden und vielen konstruktiven, aufschlussreichen, aber auch kontroversen Diskussionen fand die Reihe der Pflegedialoge am 13. Mai 2019 ihren Abschluss im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden. Im Sinne eines Rückblicks auf die gute Arbeit, die vielerorts in der sächsischen Pflege schon geleistet wird, konnten die Besucher sich bei ihrer Ankunft auf einem „Markt der Möglichkeiten“ umsehen. Hier stellten die Pflegekoordinatorinnen und -koordinatoren der sächsischen Landkreise und kreisfreien Städte stellvertretend für ihre Ämter kommunale Projekte und Initiativen vor, die auch schon auf den jeweiligen Pflegedialogen als gute Praxis gelobt wurden. Beispielhaft seien unter anderen die Wohnraumberatungsstelle des Vogtlandkreises, das Pflegemobil des Landkreises Görlitz, die Imagekampagne für Pflegekräfte des Landkreises Nordsachsen oder die Informationsbroschüre „Wegweiser älter werden“ des Landkreises Meißen genannt. Neben den Landkreisen stellten außerdem Mitarbeiter des FORMAT-Projektes der Universität Halle technologiebasierte Pflegeassistenztechniken vor. So konnten die Teilnehmenden sich mit dem Pflegeroboter „Pepper“ vertraut machen, der zukünftig Assistenztätigkeiten in der Pflege übernehmen könnte, und das flauschige Fell der Roboter-Robbe „Paro“ berühren, die zu therapeutischen Zwecken bei Demenzpatienten eingesetzt wird. Doch Technik alleine wird die zukünftigen Herausforderungen in der Pflege nicht bewältigen können. Dafür braucht es Nachschub an jungen, engagierten Pflegefachkräften. Diese waren auf dem Markt der Möglichkeiten in Form einer Delegation der Pflegeschule „Bildungs- & Innovationsportal Chemnitz“ vertreten. Anhand von Simulationsbrillen und Handschuhen mit eingebauten Tremor-Simulator vermittelten die Pflegeschüler den Teilnehmenden einen Eindruck körperlicher Einschränkungen im Alter. Im Zeichen der Sensibilisierung stand auch der Rollstuhlparcours des „Inklusion in Dresden e.V.“. Hier wurden die Besucher mit der Handhabe und den Herausforderungen beim Fahren eines Rollstuhls vertraut gemacht, indem sie einen Hinderniskurs bewältigen mussten.

Nachdem die Teilnehmenden des Dialogs Zeit hatten, die spannenden Angebote der Aussteller zu besichtigen und zu erleben, begrüßte Gesundheitsministerin Barbara Klepsch das versammelte Publikum im Marta-Fraenkel-Saal des Museums. In einem kurzen Fazit resümierte Frau Klepsch die vergangenen Dialogveranstaltungen und betonte, dass die Reihe wieder einmal gezeigt habe wie wichtig es sei, solche Plattformen des Austauschs und der Vernetzung zu schaffen. Entsprechend wolle man auch nach den Dialogen weiter mit den Akteuren vor Ort im Gespräch bleiben. Als Vertretungen dieser Akteure sprach sie den ausstellenden Pflegekoordinatorinnen und -koordinatoren einen besonderen Dank für ihr Engagement und ihre Präsenz auf dem Dresdener Dialog aus. Anschließend übergab sie das Wort an die Dresdener Sozialbürgermeisterin Frau Dr. Kristin Kaufmann. Diese betonte, den Dialog als Gelegenheit nutzen zu wollen, das Bewusstsein für aktuelle und lokale Probleme zu schärfen und sich über Ideen und Lösungsansätze auszutauschen, um so die bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Pflege in Dresden voranzutreiben. Das gemeinsame Ziel dabei müsse stets die Verbesserung der Versorgungsstrukturen sein – immer mit dem Fokus „ambulant vor stationär“.

Nach der Begrüßung durch Frau Dr. Kaufmann ergriff Frau Klepsch erneut das Wort, um kurz die Inhalte des „Pflegepaket Sachsen“ vorzustellen. Dabei handelt es sich um einen Maßnahmenkatalog aus zehn Kernthemen, die sich aus den Diskussionen der Pflegedialoge sowie aus Erkenntnissen des im Januar 2019 veröffentlichten Enquete-Bericht zur pflegerischen Versorgung in Sachsen speisen. Die zehn Kernthemen werden im Folgenden kurz umrissen. Für detaillierte Informationen zum „Pflegepaket Sachsen“ können Sie sich unter diesem Link die offizielle Broschüre herunterladen: Informationsbroschüre zum Pflegepaket Sachsen

 

  1. Finanzierung der Pflege neu denken: Pflege muss für alle bezahlbar sein. Zur langfristigen Sicherung einer guten Pflege muss die Finanzierung gerecht und zukunftssicher gestaltet werden. Es braucht Obergrenzen für Eigenanteile – sowohl für Pflegebedürftige als auch für deren Angehörige.
  2. Investitionen in der Pflege fördern: Der Freistaat Sachsen wird die Anteile an der Pflege, die die Pflegebedürftigen selbst tragen, stärker unterstützen. Mit der Entwicklung eines Landesinvestitionsprogramms setzen wir bei den Pflegebedürftigen an, egal ob sie stationär, ambulant, in der Kurzzeitpflege, Tagespflege oder in einer alternativen Wohnform versorgt werden. In Abstimmung mit dem Bund führen wir ein Pflegewohngeld ein.
  3. Sächsischer Pflegerat als Stimme für die Pflegekräfte: Das Sozialministerium wird den Sächsischen Pflegerat dabei unterstützen, Personal für seine Arbeit beschäftigen zu können.
  4. Pflegekräfte tariflich entlohnen: Das Sozialministerium setzt sich beim Bund dafür ein, dass die Beschäftigten in der Altenpflege entsprechend ihrer Tätigkeit besser bezahlt werden. Das Ziel ist eine flächendeckende Bezahlung nach Tarif für alle Pflegekräfte.
  5. Beschäftigte in der Pflege unterstützen: Das Ministerium will Pflegekräfte in einer Reihe von Einzelmaßnahmen im Arbeitsalltag entlasten und junge Menschen für den Pflegeberuf gewinnen. In der ambulanten Pflege soll der Führerscheinerwerb für Auszubildende und ambulante Pflegekräfte unterstützt werden. Gemeinsam mit den Kommunen sollen außerdem Parkerleichterungen für den ambulanten Dienst geschaffen und eine Anlauf- und Beratungsstelle für Auszubildende in der Pflege gefördert werden.
  6. Wertschätzung für Pflegeberufe erhöhen: Mit einer Imagekampagne wird das Sozialministerium die Bedeutung der Pflegeberufe stärker ins öffentliche Bewusstsein rücken.
  7. Neue Wege in der Pflege ermöglichen: Das Sozialministerium fördert gezielt Modellprojekte zur Unterstützung neuer Ideen in der Pflege, greift kreative Lösungsansätze auf und begleitet den Weg von der Idee bis zur Umsetzung.
  8. Pflegenden Angehörigen den Rücken stärken: Das Sozialministerium will dabei helfen, ein Landesnetzwerk für pflegende Angehörige aufzubauen.
  9. Einsamkeit im Alter entgegenwirken: Der Gefahr von Vereinsamung soll entgegengewirkt werden, durch die Stärkung von Beratungsangeboten und nachbarschaftlichen Hilfssystemen.
  10. Dialog zur Pflege fortsetzen: Die vielfältigen Dialog- und Gesprächsangebote zur Pflege wurden mit großem Interesse angenommen. Deshalb sollen Dialogformate verstetigt werden.

Im Anschluss an die Vorstellung des Pflegepaketes ordneten sich die Teilnehmenden den fünf thematisch gegliederten Arbeitsgruppen zu, in denen sie in den folgenden knapp drei Stunden zu unterschiedlichen Aspekten des Dresdener Pflegewesens diskutierten. Was in den Arbeitsgruppen besprochen wurde erfahren Sie in den nachfolgenden Absätzen.

 

Soziales Miteinander & Vernetzung

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe zum Thema „Soziales Miteinander & Vernetzung“ stimmten darin überein, dass landkreisübergreifend die Notwendigkeit bestehe alle Angebote der Pflegeberatung und Pflege niedrigschwellig bekannt zu machen. Hier würde zwar schon gute Arbeit geleistet, die Angebote müssten aber noch stärker im Bewusstsein der Menschen verankert werden – idealerweise schon vor dem Bedarfsfall. In Dresden heiße das konkret das lokale Pflegenetz besser bekannt zu machen und die Modelle der Alltagsbegleiter und Nachbarschaftshelfer als gute Möglichkeit zu bewerben, sich ehrenamtlich zu engagieren. Außerdem müssten die vorhandenen Angebote zur Pflegeberatung durch die Kassen präsenter gemacht und private Anbieter von Pflegeberatung gefördert werden. Hier finden Sie eine Übersicht über Pflegeberatungsstellen in Dresden.

Grundsätzlich leiste das Pflegenetz in Dresden aber schon sehr gute Arbeit und habe gehe mit seinen Arbeitsgruppen zu Themen wie Pflegeplanung, Überleitungsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit den richtigen Weg. Explizit gelobt wurde auch der Dresdener Pflegestammtisch – eine regelmäßig stattfindende öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung zu ausgewählten Themen der Pflege. Informationen zu den vergangenen Pflegestammtischen und die Daten der anstehenden Termine finden Sie hier: Dresdener Pflegestammtisch

Neben der verstärkten Sichtbarmachung vorhandener Angebote sprach sich die Gruppe außerdem für eine bessere Vernetzung der Akteure vor Ort aus. Dabei gelte es vor allem multiprofessionelle Kooperationen zu stärken und entsprechende Teams zu bilden. So müsse die Zusammenarbeit von Pflegeeinrichtungen mit der Krankenversorgung und der Sozialarbeit intensiviert werden, als auch jene der kommunale Altenhilfe mit den Trägern der Pflegequalifizierung um die Verfügbarkeit von Qualifizierungsangeboten besser an den regionalen Bedarfen auszurichten.

Neben diesen Themen wurden während des Workshops folgende Ideen und Handlungsansätze geäußert:

  • Notrufnummer „Wege zur Pflege“: Jede/r Bürger/in weiß, wo er/sie eine Pflegeberatung findet; möglichst 24/7
  • Hier müsse geklärt werden, ob es technisch möglich sei, mit einer der „großen“ Nummern wie 112 oder 115 zu kooperieren, oder ob man eine neue Nummer einrichten müsse. Z.b. die „119 – die Nummer für gute Pflege“
    • Klärung, ob das ein Landes- oder Bundesprojekt wäre
    • Sichern, dass hinter der Nummer Informationen und Verweise möglich sind, die bis auf die Quartiersebene runtergehen
  • An die AG Öffentlichkeitsarbeit des Pflegenetzes gerichtet: zielgruppenbezogene, alltagsnahe und frühe Informationen zur Pflege organisieren: Material on- und offline, Stammtische. Verteilungspartner ansprechen: Ärzte, Arbeitsgeber, Bildungseinrichtungen.
  • Sicherung professioneller Fallsteuerung im Akutfall und kontinuierlich: neutrale, nicht-stigmatisierende Anlaufstelle als Ansprechpartner für Familie, Alltagsbewältigung, Pflegeversorgung für jedes Alter! („Schwester Agnes“ – soziale Kümmerer im Quartier)
  • Es müsse eine Anlaufstelle für Soziale Beratung, Wohnberatung und Pflegeberatung geben
    • Es müssen Modelle konzipiert werden, die SGB V + XI verbinden (Gesetze, Finanzierungen, Organisation)
    • Auch hier wurden die Arbeitsgemeinschaften des Pflegenetzes als Akteur für die Umsetzung ausgemacht

 

Wohnen

In der Arbeitsgruppe „Wohnen“ stellte man sich ebenfalls die Frage, wie man vorhandenes Wissen bündeln und verfügbar machen könne. Im Speziellen ging es dabei um Informationen zu alternativen Wohnformen im Alter. Als gute Praxis wurde hier die zentrale Wohnberatungsstelle der Stadt Dresden mit ihren lokalen Entsprechungen in den Quartieren benannt. Dort erhalte man kompetente Beratung zur Wohnraumanpassung. Die Mitarbeitenden besäßen Kenntnisse zu Fördermöglichkeiten, seien gut vernetzt mit „Kümmerern“ auf lokaler Ebene und böten sogar persönliche Begleitung an. Die Website der Wohnberatung finden Sie hier. Allerdings müsse das Wissen um solche Beratungsangebote erhöht werden. Dazu bedürfe es intensiver Öffentlichkeitsarbeit.

Neben der Frage nach Beratungsangeboten und deren Sichtbarkeit sprachen die Teilnehmenden über die Frage, wer bei verändertem Wohnraumbedarf neben der Familie als erste Unterstützungsinstanz fungieren könne. Hier wurde zum Einen dem Entlassungsmanagement in Krankenhäusern als Schnittstelle zu den Kranken- und Pflegekassen große Bedeutung beigemessen. Bei Pflegegeldbeziehern wurden außerdem die regelmäßig stattfindenden Gespräche mit der Pflegekasse im häuslichen Umfeld als gute Gelegenheit benannt, um Bedarfe zu ermitteln. Die Vertreter der Kassen müssten entsprechend für das Thema sensibilisiert werden, wobei viele bereits schon ein Auge darauf hätten.

Im Verlauf des Gesprächs wurden einige grundsätzliche sowie auch quartiersspezifische Herausforderung zum Thema „Veränderung des Wohnbedarfs“ festgestellt, denen es auf kommunaler und Landesebene zu begegnen gelte. So habe man gerade in Städten wie Dresden mit einer geringen Mitwirkungsbereitschaft der Vermieter zu kämpfen, wenn es um altersgerechte Umbauten gehe. Diese bekämen Ihren Wohnungen nämlich auch ohne entsprechende Maßnahmen leicht vermietet. Angedacht wurden hier finanzielle Anreize des Landes zur Förderung eben solcher baulichen Anpassungen. Des Weiteren müsse man darauf hinwirken, eine bessere Durchmischung der Generationen in den Quartieren zu erreichen. Hier müsse auch auf die Senioren selber eingewirkt werden. Diese schotteten sich teilweise bewusst ab. Generell berichteten die Teilnehmenden aus Ihren Erfahrungen von einigen Befindlichkeiten, die sie häufig bei älteren Menschen beobachtet hätten und die die Wohnungssuche erschwerten: Da sei zum Einen ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis und die damit verbundene Angst vor Einbrüchen in die eigene Wohnung. Diese wiederum konfligiere mit der Tatsache, dass altersgerechtes Wohnen vor allem im Erdgeschoss realisierbar sei. Auch gebe es des Öfteren Diskrepanzen zwischen den Ansprüchen der Seniorinnen und Senioren an die Größe ihrer Wohnungen und den verfügbaren Wohnungen, da diese aufgrund der Umbaumaßnahmen teurer bzw. kleiner seien.

In Bezug auf das Dresdener Pflegenetz wurde angemerkt, dass die Wohnungsbaugenossenschaften bisher nicht in das Netzwerk eingebunden seien. Die Akteure des Pflegenetzes müssten aktiv auf die Genossenschaften als wichtigen Partner zugehen.

Konkrete Ideen und Handlungsansätze aus dem Workshop:

  • mehr Wissen teilen à Öffentlichkeitsarbeit für die kommunalen Angebote (z. B. Wohnberatung, Pflegekoordination und Pflegekassen)
  • regelmäßiger Austausch zwischen Pflegekoordination und Wohnberatung (das sei bereits im Aufbau, müsse aber noch ausgebaut werden da beide Stellen noch recht neu seien)
  • Transparenz über Anforderungsprofil und Funktion der Pflegekoordination erhöhen und als zentrale Netzwerkstelle etablieren
  • Transparenz über Aufgaben der Wohnberatung und Profil schärfen:
  • Wohnraumanbieter (WBGs) fehlen bisher im Netzwerk
    • Antworten gemeinsam im Netzwerk finden 
    • Transparenz über Netzwerkpartner herstellen
    • Was ist der konkrete Nutzen/Ziel des Netzwerks?
    • Bedarfe im Netzwerk eruieren
  • Potenzial ausloten für gemeinsames Wohnen von jungen Menschen (z. B. Studierenden) und Älteren gegen Hilfeleistungen/Tauschleistungen eruieren

 

Professionalisiertes Personal

Aufgrund der hohen Teilnehmerzahl teilte sich die Gruppe in drei Kleingruppen, in denen vier vertiefende Zielsetzungen diskutiert wurden.

Zunächst ging es darum eine Flexibilisierung der Pflegefachkraftquote in der Langzeitpflege zu bewirken. Hier stellten die Teilnehmenden die Frage, welche Art von Konzept diesen Flexibilisierungsprozess befördern könnte und gleichzeitig von der Politik akzeptiert würde? Dazu wurde angeregt eine wissenschaftliche Auswertung zu beauftragen, sodass fundierte Rückschlüsse für die Langzeitpflege gezogen werden könnten. Die nächsten eigenen Schritte in der Region könnten sein, sich im bestehenden Pflegenetz die Best-Practice Beispiele aus anderen Bundesländern genauer anzuschauen, um Erkenntnisse für die eigene Region zu erhalten.

Ein weiteres Thema war die Auflösung von ambulanten und stationären Sektorgrenzen. Wünschenswert sei ein individuelles Pflege- und Betreuungsbudget, über dessen Einsatz der Betroffene selbst verfügen, bzw. entscheiden könnte. Derzeit gibt es getrennte Kostenträgerzuständigkeiten und Sektoren. Ein eher „kundenzentriertes“ Denken und Handeln würde das Pflegesystem und Pflege- und Betreuungsstrukturen in ein verändertes Handeln bringen und auch fachübergreifende Arbeitsstrukturen und Teams fördern.

Dies trage auch zur dritten Zielsetzung bei: Gute Rahmenbedingungen für ein positives Berufsbild zu schaffen. Der flexible Einsatz von Personal in der ambulanten, stationären und teilstationären Pflege würde die Träger entlasten und zudem eine kundenorientierte Arbeitsweise befördern. Die Staatsministerin könnte hierfür in den politischen Dialog mit Leistungserbringern und Leistungsträgern zur Gestaltung der auskömmlichen Rahmenbedingungen  (in der Pflege) treten. Derzeit würden die Regelungen in der Eigenverantwortung der Rahmenvertragspartner getroffen.

Zuletzt wurde über die Notwendigkeit und Gestaltung einer „Pflegekammer“ gesprochen. Einige Teilnehmende regten an, eine arbeitsfähige und funktionierende Pflegeberufekammer in Sachsen zu gründen, die die Interessen aller professionell Tätigen in der Pflege vertreten. Die Kammer solle sich über Pflichtbeiträge finanzieren, die Einflussnahme auf Politik und die Interessenvertretung des professionellen Personals wären nicht mehr selektiv. Dies sei über die derzeitige Vertretung durch Vereine und Verbände der Fall, da diese nur die Interessen ihrer Mitglieder verträten. Das Thema wurde kontrovers diskutiert. Die Vor- und Nachteile einer Kammer als Vertretungsorgan für das professionelle Personal müssten miteinander abgewogen werden. Es fehlt derzeit an einer guten und transparenten Informationsgrundlage. Ein erster Schritt in der Region könnte sein, sich selbst zu informieren, in bestehenden Netzwerken hierzu austauschen und mit der Politik hierüber ins Gespräch zu kommen.

 

Gesundheitliche Infrastruktur

Ein besonderer Fokus in dieser Gruppe lag – wie auch bei vielen Dialogausgaben – auf dem Thema Kurzzeitpflege. Diese sei grundsätzlich ein extrem wirksames Instrument um pflegende Angehörige zu entlasten und den Übergang vom Krankenhausaufenthalt in die Häuslichkeit besser zu gestalten. Allerdings seien auch in Dresden zu wenig Kurzzeitpflegeplätze vorhanden und bei den vorhanden Angeboten seien erhebliche Qualitätsunterschiede festzustellen. Außerdem gestalte sich die Koordinierung von Nachfrage und Angebot als schwierig. Hier könne eine stärkere Angliederung der Kurzzeitpflege an Krankenhäuser Abhilfe schaffen. Dies könne in Form einer Art Überleitungspflege in extra dafür vorgesehenen Nachsorgestationen funktionieren.

Neben der Kurzzeitpflege wurde das Thema Demenzbetreuung und -beratung angeschnitten. Die Gruppe war sich einig, dass dazu in Dresden eigentlich genügend Angebote vorhanden seien. Problematisch sei allerdings, dass die Leute sich meistens nicht vorab informierten, sondern erst im Fall der eigenen Betroffenheit oder der Betroffenheit von Angehörigen. Entsprechend müsse die Aufklärung und Bewusstseinsbildung ausgebaut werden – z.B. im Sinne von aufsuchenden oder mobilen Beratungsangeboten. Über die Öffentlichkeit hinaus müsste das Angebot an Beratungen und Schulungen zum Thema Demenz und dem Umgang damit aber auch für Pflegekräfte, Arzthelfer und Ärzte erweitert werden, da auch hier teilweise noch Informationsbedarf bestehe.

Ähnlich wie in der Arbeitsgruppe zum Professionalisierten Personal wurde auch hier über zu sektorale Aufteilung sowohl von Beratungsangeboten als auch von pflegerischen und medizinischen Leistungen gesprochen. Dies äußere sich z.B. auch in einer zu geringen Beteiligung der Ärzte am Pflegesystem. Folglich müsse die Arbeitsverteilung neu gedacht werden, sodass pflegerisches Personal verstärkt die Möglichkeit bekomme, auch medizinische Leistungen zu übernehmen und umgekehrt.

Folgende Ideen und Handlungsansätze wurden im Laufe der Diskussion zu den besprochenen Inhalten geäußert:

  • Case Manager überall einsetzen, um Übergabe an Pflegeberater sicherzustellen
  • Hausarztpraxen benötigen angegliederte Pflegeberatung
  • Es braucht Analyse wer überhaupt Kurzzeitpflege nutzt und ob andere Fprmate nicht besser passen würden
  • Fachaustausch zwischen Pflegepraxis und Fachärzten fördern
  • Demenzwegweiser aktualisieren
  • Übersicht der Angebote muss ansprechender werden
  • Psychologischer Betreuungsbedarf muss über Demenzerkrankung hinweg erweitert werden
  • Es braucht direkte Kümmerer – außerdem müssen Pflegeberater Hausbesuche anbieten
  • Mehr Entbürokratisierung durch gebündelte Qualitätskontrollen und digitale Abrechnungssysteme

 

Öffentliche Infrastruktur

Grundsätzlich wurde die Situation der Mobilität in Dresden als sehr positiv von den Teilnehmenden bewertet. Es wurde auf Umfragen verwiesen, die ergeben hätten, dass Dresdener Bürgerinnen und Bürger deutschlandweit am zufriedensten mit dem ÖPNV seien. Grund dafür sei auch die gute Preisgestaltung. Besonders gelobt wurde das Sozialticket – ein preislich ermäßigter Fahrausweis für Bürgerinnen und Bürger mit geringem Einkommen. Mehr Informationen zum Dresdener Sozialticket finden Sie hier.

Allerdings gebe es durchaus noch Verbesserungspotenzial im öffentlichen Raum. Einige Haltestellen seien nach wie vor nicht barrierefrei ausgebaut. Zudem könne das Rad- und Fußwegsystem optimiert werden. Es bestünden Platzkonkurrenzen zwischen den beiden Nutzergruppen und die bestehenden Mischformen seien suboptimal für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. In einigen Straßen würden echte Radwege inklusive „Fahrradschutzstreifen“ fehlen. Außerdem seien die historischen Pflaster in der Dresdener Innenstadt teilweise problematisch für Pflegebedürftige, Rollstuhlfahrer und Schmerzpatienten. Glatte Wegstreifen zu Kircheneingängen wären auch für Eltern mit Kinderwägen und andere Bevölkerungsgruppen wünschenswert, genauso wie ein größeres Angebot von Bänken im öffentlichen Raum als Ausruhorte. Zuletzt wurde angemerkt, dass das Angebot an Einkaufsbussen noch zu dünn sei und ausgebaut werden sollte.

Des Weiteren wurde angemerkt, dass die Qualität der Infrastruktur in Dresden teilweise stark ortsabhängig sei. Dienstleistungen wie Post, Bankfilialen und -automaten sowie Supermärkte seien in manchen Stadtteilen teilweise fußläufig schwer erreichbar. Eine Teilnehmerin nannte den Stadtteil Cotta als Beispiel. Die fehlende kommunale Verfügungsmasse sei bei der Erschließung solcher benachteiligter Viertel eine Herausforderung - städtische Grundstücke fehlten und müssten teuer (zurück)gekauft werden.

Konkrete Ideen und Handlungsansätze aus der Arbeitsgruppe:

  • Einführung eines Pflegegesetzes, das verbindliche Rahmenbedingungen und Standards setzt und mit dem den Kommunen die dafür erforderlichen Finanzen bereitgestellt werden.
  • Verbesserung der Rad- und Fußwegeinfrastruktur, um die Bedarfe aller Nutzergruppen adäquat zu berücksichtigen.  
  • Die „Nette Toilette“ nach dem Vorbild von Chemnitz könnte ein vielversprechender Weg sein zum Zweck der Verbesserung der Toilettenversorgung in der Innenstadt. Darüber hinaus werde jedoch eine öffentliche Toiletteninfrastruktur gebaut, gerade auch da Gasthäuser oft noch nicht barrierefrei sind.
  • Installation zusätzlicher Bänke im öffentlichen Raum
  • Ausbau des Angebots von Einkaufsbussen
  • Einrichtung von Versorgungszentren und selbst gestalteten Räumlichkeiten in den Quartieren zur Verbesserung der sozialen Daseinsvorsorge 
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